Tipps zu Unterkünften für das Ankommen in Nordschweden und die Vorbereitung einer Fjälltour:
Man kann natürlich fix und fertig gepackt - per Zug oder Flugzeug - in Nordschweden ankommen und sofort loslegen. Das wäre dann die Fortsetzung des heimischen Effizienzdenkens, ohne den allmählichen Übergang in eine doch etwas andere Welt.
Ich bin mehr für ein „erstmal Ankommen“ zu haben, um dann an Ort und Stelle alles Weitere vorzubereiten.
Für gewöhnlich benötige ich mindestens einen Tag, um meinen Rucksack bzw. meine Ausrüstung für eine Fjälltour zu packen. Mindestens. Deshalb suche ich mir immer, sobald ich z.B. in Nordschweden ankomme, nach einer geeigneten Unterkunft, wo ich dies in aller Ruhe tun kann - zu vernünftigen Übernachtungspreisen. Wobei in der Post-Coronazeit (wie in Deutschland auch), die Preise zum Teil erheblich angezogen haben.
Bis vor zwei Jahren noch war mir das STF Vandrarhem „Åsgård“ in Jokkmokk einer meiner liebsten Herbergen. Ein einfaches, ehemaliges (Förster-)Haus, mit allem was ein Wanderer so benötigt (Dusche, Küche etc.). Mittlerweile werden aber - unter einem neuen Management - pro Nacht mindestens 800 Schwedenkronen (etwa 75 Euro) berechnet. Was als STF-Mitgliedspreis eindeutig zu viel ist. Mitunter werden bis zu 1400 Kronen verlangt (das hat mir ein einzelner Wanderer berichtet), der den Preis für ein Vierbett-Zimmer bezahlen musste, obwohl er bereit war, dieses Zimmer, wie es üblich ist, mit anderen zu teilen. Das grenzt schon an Abzocke. Vor allem, wenn man vergleicht, dass in der extrem viel besuchten STF Turiststation in Abisko in der Selbstversorgungsabteilung und bei geteilten Zimmern, gerade mal um die 550 Kronen berechnet werden. Wenn man dort im nebenan liegenden (sehr guten) Restaurant die volle Verpflegung ordert, gelten natürlich ganz andere Preise.
Jedenfalls bin ich ab 2025 im Raum Jokkmokk auf ein anderes Quartier ausgewichen. Auf das gemeindeeigene Vandrarhem von Murjek (das der Hembygdsföreningen von Murjek gehört; Hembygd in etwa: Heimatort-Verein ). Ideal einerseits für diejenigen, die mit dem Zug ankommen oder von hier mit dem Bus nach Kvikkjokk weiter fahren wollen, ideal andererseits, weil man zwischen verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten wählen kann. Zum einen gibt es den Zeltplatz und/oder einen Stellplatz fürs Auto mit Zugang zum Servicehaus (200 Kronen) oder man kann eine kleine Hütte mieten (für 2 Pers. 600 Kronen) oder man kann im ehemaligen Schulhaus (das eigentliche Vandrarhem) ebenfalls für 600 Kronen übernachten. Wenn zwei Wanderer/Wanderinnen ein Zimmer teilen, dann 400 Kronen p. P.
An Werktagen gibt es dort zwischen 11.30 Uhr und 13.30 Uhr ein Lunch-Menü für 100 Kronen (richtig gute Hausmannskost, weshalb nicht wenige Murjek-Einwohner täglich hier essen) und gegenüber gibt es ein kleines Lebensmittelgeschäft, das ebenfalls werktäglich zwischen 12.00 und 14.00 Uhr geöffnet hat. Es lohnt sich, mindestens einen Tag dort zu bleiben, um - wie gesagt - anzukommen. Wer dennoch etwas von Jokkmokk sehen möchte - lohnenswert ist insbesondere das Same-Museum Ájtte - nimmt morgens um 08:00 Uhr den Fjällbus von Murjek nach Jokkmokk und am späteren Nachmittag dann den zweiten Fjällbus an diesem Tag, von Jokkmokk nach Kvikkjokk (Abfahrt je nach Wochentag mal 15:25, mal 15:30 Uhr). So bleibt genügend Zeit, sich in Jokkmokk umzuschauen.
Ähnlich wohl (wie in Murjek) fühle ich mich auch im Svenska Kyrkans Fjällgård in Jäckvik (450 Kronen). Ein sehr schön gelegenes Vandrarhem der Schwedischen Kirche, direkt am Hornavan-See gelegen, ziemlich genau auf der halben Kungsleden-Wegstrecke zwischen Kvikkjokk und Ammarnäs. Und: Bis zum nächsten, durchaus größeren Supermarkt sind es gerade mal 200 Meter. Größerer Supermarkt deshalb - in einem 50 bis 60 Einwohner zählenden Ort -, weil viele Norweger auf der „Silverleden“-Straße über die Grenze bis nach Jäckvik fahren, um hier einzukaufen.
Im fast schon kleinstädtischen Arvidsjaur bevorzuge ich das „Lumi“-Gästehaus , das sehr engagiert und sehr freundlich von einer jungen finnisch/samisch-deutschen Familie betrieben wird und ebenfalls einzelne Zimmer bietet (hier lohnen sich die 750 SEK oder etwa 68 Euro). Ein Platz zum Wohlfühlen. Fast genau gegenüber liegt ein ICA-Supermarkt. Allerdings sind es bis zur Bus-Station im Zentrum mehr als einen Kilometer zu Fuß und bis zum Bahnhof (Inlandsban) gut 1,5 Kilometer.
In Vilhelmina liegt das STF-Vandrarhem mitten im historischen Zentrum bzw. in historischen Holzhäusern des kleinen Städtchens. Dort hat man 2025 noch zum Mitgliedspreis von 370 Kronen (mit Dusche) übernachten können (rund 35 Euro). In der Nähe gibt es ein sehr schönes Café und natürlich auch gute Einkaufsmöglichkeiten.
Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann aber auch – 14 Kilometer süd-südöstlich von Vilhelmina und vorbei am kleinen Flughafen – nach Dalasjö fahren und dort in der ehemaligen Schule übernachten, die nun als Vandrarhem genutzt und von einer in der Nachbarschaft wohnenden Familie betrieben wird. Sehr schön und vor allem mit einer große Küche ausgestattet (der ehemalige Speisesaal) - für um die 450 Kronen.
Nicht wundern: Dieses Vandrarhem ist unbesetzt, sprich hat kein Personal. Man ruft einfach die Handy-Nr. 0046-(0)70 2076200 an (bucht alternativ über die Website https://dalasjovandrarhem.se), gibt der Person am Telefon seine Kartendaten durch und schon werden zwei Dinge geschehen. Erstens erhält man via E-Mail oder per SMS eine Quittung über etwa 40.- Euro und dann einen Code, mit dem man den Zugang zu den Schlafräumen öffnen kann. Auch das ist Schweden: Vertrauen auf Gegenseitigkeit.
PS: Wer selbst solche Tipps beisteuern möchte, kann gerne auf dieser Website unter „Kontakt“ an mich schreiben (Kontaktformular). Ich werde den oder die Hinweis(e) dann prüfen und ggf. hier mit aufnehmen.